Maximilian Ferger, Barbara Rundquist-Müller, Erik Rundquist (vl.n.r.)

Das sympathische Trio im Bild schreibt mit seinen Weinen Geschichte weiter. Seit 2007 ist Barbara Rundquist-Müller mit Erik Rundquist für die Ausrichtung des 1882 gegründeten Traditionsweinguts Wwe Dr. H. Thanisch verantwortlich. Da nämlich hatte Dr. Hugo Thanisch die Spitzenlage „Berncasteler Doctor“ erworben. Unterstützt werden die beiden sanften Runderneuerer von Oenologe und Gutsverwalter Maximilian Ferger.

Doch was kann man eigentlich „neu machen“ in einem Traditionsweingut mit Weltruhm – und sollte man das? Barbara Rundquist-Müller setzt an vielen Stellen an. Da steht selbstverständlich der Wein an erster Stelle.

Die Rieslinge, die in Lagen wie der „Brauneberger Juffer Sonnenuhr“, der „Wehlener Sonnenuhr“, dem „Graacher Himmelreich“ oder eben im „Berncasteler Doctor“ wachsen, sollten noch stärker das Terroir vermitteln – Bodenpflege, Ertragsreduktion, selektive Handlese und eine noch schonendere Verarbeitung des Leseguts stehen dabei im Mittelpunkt. Dass dieses Rezept aufgeht, beweisen die zahlreichen internationalen Auszeichnungen, mit denen die Weine weiterhin alljährlich auszeichnet werden. Neu ins Repertoire aufgenommen wurde der Pinot Noir, von dem erst einmal nur kleine Mengen angebaut werden und es gibt – ganz trendy – auch einen Orange Wein, den im Barrique ausgebauten Riesling „White Thanisch“.

Nachhaltig und ökologisch

Neues Weingutsgebäude und Verkostungsraum Dr. H. Thanisch

Neues Weingutsgebäude und Verkostungsraum, Copyright: Weingut Witwe Dr. H. Thanisch, Erben Müller-Burggraef

Das Weingut Witwe Dr. H. Thanisch, Erben Müller-Burggraef hat sich auf die Fahnen geschrieben, nachhaltig und ökologisch orientiert zu arbeiten. Das Weingut ist Mitglied im Verein „FAIR`N GREEN“, der ein Siegel für nachhaltigen Weinbau vergibt und in dem sich viele große Namen der deutschen Weinszene tummeln. Es gilt, einen ganzen Katalog von Richtlinien dauerhaft einzuhalten und sämtliche Prozesse, von der Betriebsführung, über die Kellerwirtschaft bis zur Vermarktung unter dem Gesichtspunkt der ganzheitlichen Nachhaltigkeit, stetig zu verbessern. Eine Prüfung der Mitglieder durch Audits erfolgt jährlich. Diese öffentlich einsehbar zu machen, wäre natürlich der Gipfel an Transparenz, aber ein bisschen Vertrauen gehört ja überall dazu.

Kooperationen stärken die eigene Marke

Vertrauen ist ein gutes Stichwort. Vertrauen und Zusammenarbeit – wie eben auch beim Siegel „FAIR’N GREEN“. Für Barbara Rundquist-Müller gehört der Austausch mit anderen Winzern ganz unbedingt zum Konzept. Neuestes Beispiel einer solchen ist das 2015 neu errichtete Weingutsgebäude, inmitten von Reben gelegen, mit einem wunderbaren Blick auf die Weinberge und das Berncasteler Schloss. Das selbstverständlich mit umweltfreundlichen Materialien und ressourcenschonend (Photovoltaik, Regenwassernutzung, wärmedämmender Beton) gebaute Vorzeigeprojekt beherbergt einen neuen Keller, ein Labor, Büroräume, ein Trockenlager und einen sehr schicken Verkostungsraum. All das wird vom Weingut H. Thanisch und dem Weingut Villa Huesgen genutzt. Maximilian Ferger ist nun für beide Weingüter im Keller verantwortlich.

Blick über Weinberge auf die Mosel

Blick auf die Mosel, Copyright: Weingut Witwe Dr. H. Thanisch, Erben Müller-Burggraef

Eine solche Kooperation kommt nicht von ungefähr: Undenkbar in früheren Jahren, kam es bereits 2010 zu einer spannenden „Doctorprobe“ der Weingüter Dr. H. Thanisch und Weingut Julius Wegeler. In dieser wurden Rieslinge der beiden Weingüter aus den Jahren 2009 bis 1921 aus der Lage „Berncasteler Doctor“ verkostet. Nicht wer etwa den vermeintlich besten Wein hat, stand da zur Debatte, sondern ganz unsportlich –  die Weine mit ihrem Facettenreichtum, dem über die Jahre gereiften Aromenspiel und das große Staunen und Wertschätzen.

Alte Traditionen bewahren

Berncasteler Doctorkeller

Berncasteler Doctorkeller, Copyright: Weingut Witwe Dr. H. Thanisch, Erben Müller-Burggraef

Neben all den Neuerungen, der Offenheit für zukunftsweisende Projekte bleibt das Weingut Witwe Dr. H. Thanisch, Erben Müller-Burggraef seiner Tradition verhaftet. Es gilt nicht, das Bewährte über Bord zu werfen, das hat weiterhin seinen Platz. Nicht zuletzt im sagenumwobenen, mehr als 350 Jahre alten „Berncasteler Doctorkeller“, der direkt unter dem Weinberg in den Fels gehauen wurde und in dem auch heute noch die Weine der berühmten Einzellagen des Weinguts lagern und heranreifen.