Tafeltrauben: Katharina, Romulus und Muscat Bleu, Quelle Traubenshow.de

Georg, Cäcilia oder Ruth – das sind nicht die beliebtesten Vornamen 2020, sondern die Namen von Tafeltrauben. Im Gegensatz zu Weintrauben wie Riesling oder Burgunder sind Tafeltrauben für den direkten Verzehr gedacht, werden getrocknet oder zu Traubensaft verarbeitet. Reinhard Antes setzt in seinem Rebveredlungsbetrieb hauptsächlich auf Weintrauben, hat jedoch auch Tafeltrauben im Angebot. Stattliche 70 pilzwiderstandsfähige Tafeltraubensorten (PIWI)  wachsen auf seinen Versuchsflächen.

Im professionellen Tafeltraubenanbau dauere die Ernte „dramatisch länger“ als bei Weintrauben, sagt Antes. „Alles ist Handarbeit mit Baumwollhandschuhen, um ja keine Beere zu zerdrücken“, erklärt er. Die beliebtesten Sorten sind kernlos und für den professionellen wie für den privaten Anbau die gleichen: Die Muscat Bleu ist ein blauer, frühreifer und aromatischer Allrounder, der überall auch ohne Pflanzenschutz wächst, die Venus ist eine rote, optisch blaue, großbeerige Sorte mit leichtem Erdbeergeschmack und die Romulus die weiße Entsprechung zur Muscat Bleu mit mittelgroßen Beeren. „Generell konzentrieren kleinere Beeren mehr Süße und Kerne sind geschmacksprägend. Wer also nicht gerne auf Kerne beißt, muss sich damit abfinden, dass das zulasten der Aromatik geht“, erklärt Antes.

Dekotrauben sind chic, aber oft nur süß

Dekotafeltraube Philipp
Dekotafeltraube Philipp, Quelle: Traubenshow.de

Trauben mit besonders großen Beeren heißen etwa Sofie oder Franziska und sind als Safttrauben beliebt. Und dann gibt es noch die auf Optik gezüchteten Sorten, die aber geschmacklich zu vernachlässigen sind. „Die ziegelrote Katharina bleibt am Beerenansatz grün, das finden viele Leute spannend. Philipp ist eine spät reifende Dekotraube, die gerne von Caterern als optischer Hingucker verwendet wird. Die Traube ist nur süß ohne Aroma – und optisch eine Kreuzung zwischen Traube und Stacheldraht“, sagt Antes lachend.

Bei der Ernte einfach schneller als die Vögel sein

Im Gegensatz zu Weintrauben ist der Anbau von Tafeltrauben ohne spezielle Genehmigungen erlaubt. Schützen kann man die Reben durch das Aufbringen von Pflanzenschutzmitteln, die es im Landhandel gibt oder eingeschränkt auch mit Wespennetzen. „Besser ist es aber, man ist mit der Ernte einfach schneller als die Vögel oder Wespen“, meint Antes, für den die Tafeltrauben übrigens auch direkt in den Boden gehören. „Auch diese Reben bekommen Wurzeln, die bis zu vier Meter in die Tiefe wachsen wollen. In einem Kübel geht das maximal zwei Jahre lang gut, dann verhungert die Pflanze“, sagt er. Dabei kann man die Trauben wie im Weinbau erziehen oder in Pergola-Form. Antes legt seinen Tafeltrauben immer eine Pflanzanleitung bei. Für den Kauf von Tafeltraubenrebstöcken  im Super- oder im Baumarkt hat er aber noch einen Tipp: “Unbedingt darauf achten, dass man nicht nur Stecklinge, sondern veredelte Reben mit einer Unterlagsrebe kauft. Das sieht man unten in Bodennähe. Sonst fördert man damit unwillentlich die Verbreitung der Reblaus.“

Redaktionell verändert veröffentlicht am 05.06.2020 im Darmstädter Echo, Rubrik Südhessen genießen