Der Rote Hang bei Nierstein, Foto: T. Silz

Der Rote Hang bei Nierstein, Foto: T. Silz

Nur 25 Kilometer Luftlinie nach Westen von Darmstadt aus und man ist am Roten Hang. Die weltweit hochangesehene Steillage Rheinhessens liegt zwischen Nierstein und Nackenheim. Sie wartet mit einer einmaligen Kombination auf, die den dort wachsenden Reben ihren besonderen mineralischen Geschmack verleiht. Da ist zunächst einmal der karge Ton- und Sandsteinboden, der wenig Wasser, dafür aber umso mehr Wärme speichert. Seine rote Farbe erhält das so genannte Rotliegende von eingelagerten Eisenverbindungen (Hämatit). Dazu kommt der ideale Standort am Rhein mit der Ausrichtung der Weinbergslagen nach Osten, Süden und Westen.

Der Rote Hang – eine Lage mit Geschichte

Berühmt ist der Hang immer noch für seinen Riesling, so wie vor 100 Jahren, als die Weine vom Roten Hang international Preise erzielten wie die besten Weine aus dem tonangebenden Bordeaux. Nach einer Durststrecke, die den qualitativ wenig hochwertigen und eher lieblichen Weinen aus Rheinhessen insgesamt geschuldet war, ist der Rote Hang schon seit vielen Jahren wieder ein Synonym für Exzellenz. Zu dem erneuten Imagewechsel maßgeblich beigetragen hat auch der Verein „Wein vom Roten Hang e.V.“, durch den Niersteiner Winzer seit 1989 ihre Weine vom Roten Hang der Öffentlichkeit präsentieren.

Der Rote Hang teilt sich in sieben Einzellagen:  Orbel, Heiligenbaum, Ölberg, Hipping, Brudersberg, Pettenthal und Rothenberg. Zahlreiche Winzer aus den umliegenden Gemeinden haben hier ihre Parzellen, mit dabei sind seit Jahrhunderten in Familientradition arbeitende Winzerfamilien wie die von Franz Karl Schmitt aus Nierstein oder Spitzenwinzer wie Klaus Peter Keller aus Flörsheim-Dalsheim, der erst vor wenigen Jahren Parzellen im Pettenthal und Hipping erworben hat.

Der Rote Hang mit noch mehr Rot

Durch innovative Winzer mit dem Blick für die sich verändernden klimatischen Bedingungen wird hier jedoch längst nicht mehr nur Riesling angebaut, auch hervorragenden Sauvignon Blanc, die alte Sorte Gelber Orleans und immer mehr rote Sorten wie Spätburgunder oder Blaufränkisch  bringt der Berg nun hervor. Mit vorne dabei bei den Erneuerern sind beispielweise die Weingüter St. Antony, Domtalhof und Gehring.

Lisa Bunn setzt weiter auf Riesling

Winzerin Lisa Bunn am Roten Hang

Und wie machen es die ganz Jungen? Winzerin Lisa Bunn hat 2013 das elterliche Weingut in Nierstein übernommen. Sie setzt am Roten Hang ausschließlich auf Riesling, baut aber direkt im angrenzenden Rosenberg hervorragenden St. Laurent an. „Die Experimente und Arbeitsweise der Kollegen, die am Roten Hang auf rote Reben setzen finde ich gut und spannend, das ist alles völlig in Ordnung“, meint sie. „Für mich ist aber der Riesling immer noch die ideale Rebsorte am Roten Hang. Auch in schwierigen Jahren bekommt man hier immer noch eine sehr gute Qualität. Durch die Wärme gibt es einen Reifevorsprung, Spätfröste kennt man Roten Hang nicht und die Rieslinge sind hier weniger säurelastig und milder.“

Was aber ist, wenn die Sommer immer wärmer und trockener werden? Auch darauf hat Lisa Bunn eine Antwort: „Manche Jahre sind tatsächlich etwas zu warm, aber da kann man durch einige Winzerkniffe gegenwirken und zum Beispiel mehr Laub stehenlassen.“ Riesling wird noch sehr lange die Rebsorte am Roten Hang bleiben“, ist Lisa Bunn überzeugt.

Redaktionell bearbeitet veröffentlicht im Darmstädter Echo am 18.11.2017 in der Rubrik „Südhessen genießen – Weinschmecker“