Gewürztraminer

Nein, jetzt kommt keine Ode – noch nicht mal Schüttelreime werfe ich den geneigten Leserinnen und Lesern entgegen, obwohl ich als Meenzer Mädsche dafür irgendwie prädestiniert und wahrscheinlich auch unfassbar begabt bin. Aber eine Ode, die hätte der Gewürztraminer – der trocken ausgebaute – auf jeden Fall verdient.

Viel Frucht und dennoch trocken

Ich habe den Eindruck, in Deutschland hat der Gewürztraminer einfach kein gutes standing. Viele Weintrinker denken bei Traminer wohl an die süß ausgebauten Weine von früher oder die lieblichen und schweren Gewürztraminer aus dem Elsass. Doch die Rebsorte kann man auch trocken ausbauen und so kommen häufig sehr schöne und auch sehr unterschiedliche Weine zustande.

Für einige Winzer gehört es einfach dazu, zumindest eine kleine Menge Gewürztraminer zu produzieren. Andere versuchen sich an der Rebsorte, können sie nicht verkaufen und stellen die Produktion wieder ein.

Mein Lieblings-Gewürztraminer

Hauck GewürztraminerIch habe vor einer Weile einen ganz wunderbaren Gewürztraminer des Weinguts Hauck in Bermersheim entdeckt – eine Spätlese von 2009 und 2010, trocken ausgebaut. Dieser gereifte Wein strotzt nur so von Fülle und Frucht, leichte Honignoten und ein langer Abgang. Ich wollte zuletzt noch mehrere Kisten kaufen, auch hatte ich Freunden von dem Wein vorgeschwärmt und sollte noch ein paar Flaschen mehr mitbringen. Und was ist? Herr Hauck hat für mich noch ein Kistchen zusammengekratzt, es sei das letzte, sagte er. Der Gewürztraminer sei ein Versuch gewesen, Trauben hatte er dafür auch zugekauft. Den Wein konnte er nicht, so wie es für ihn erforderlich gewesen wäre, absetzen. Niemand hat den phantastischen Wein gekauft. Ein Trauerspiel.

Ich habe noch vier kostbare Flaschen – und hoffe in zwei Jahren auf den ersten Muskateller, den Herr Hauck gerade versuchsweise anbaut.