Winzer Rainer Flick mit den Dernbacher Schwestern im Nonnberg

Winzer Rainer Flick mit den Dernbacher Schwestern, Bild: Adrian Vesenbeckh

Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen auf dem Nonnberg bei Flörsheim-Wicker. Viel schöner hätte der Herbsttag nicht sein können, um mit der Lese und der Produktion eines ganz besonderen Weines zu beginnen. Schon früh morgens, eine Stunde vor der vereinbarten Zeit, standen die sieben Nonnen aus dem Kloster Tiefenthal in Eltville aufgeregt bei Rainer Flick im Weingut, um mit ihrer ungewohnten Tagesaufgabe zu beginnen, die da lautete: Trauben lesen in  der Parzelle „Vier Morgen“ des Weinbergs Nonnberg. Und später: Rieslingtrauben traditionell mit den Füßen einmaischen. Bis zum Mittag waren die Schwestern mit der Handlese der 60 Jahre alten Reben beschäftigt.

Rainer Flick: „Wir wollen etwas zurückgeben“

Winzer Rainer Flick

Winzer Rainer Flick, Bild: Adrian Vesenbeckh

Aber warum sind die Nonnen eigentlich im Nonnberg? Ein Grund: Das Weingut in der Steinmühle feierte in diesem Jahr 700-jähriges Bestehen und neben einer großen Feier sollte es noch eine besondere Aktion geben. „Meine Familie und ich haben so viel Glück, dieses Weinjahr ist großartig und mit mehr Erträgen als man erhoffen konnte. Wir wollen etwas zurückgeben. Die Idee kam auf, einen Wein herzustellen und den Erlös zu spenden“, sagt Rainer Flick zu seiner Motivation.  Und nichts lag näher, als die Dernbacher Schwestern einzubeziehen, deren Vorgängerinnen im Kloster Tiefenthal schon einmal im Besitz des Weinbergs Nonnberg waren – und zwar ab 1281 bis zum Jahr 1791. 

60 Jahre alte Reben und Kalksteinboden

Die Schwestern bei der Lese im Nonnberg

Die Schwestern bei der Lese im Nonnberg, Bild: Adrian Vesenbeckh

Der Nonnberg wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrere Male den Besitzer, seit Ende 2003 ist das Weingut Joachim Flick im Alleinbesitz der Monopollage. Die Weine aus dem Nonnberg sind mineralisch, kraftvoll und voluminös. Geschuldet ist das dem besonderen Terroir mit einem Boden aus Tonmergel und Kalk in reinster Form, denn die Reben wachsen direkt an der Abbruchkante des „Mainzer Beckens“, einem fossilen Sedimentbecken aus dem Tertiär. Der Wein, den die Dernbacher Schwestern gelesen haben, darf bis Ende April in einem 500-Liter Holzfass reifen. Verkaufsstart ist der 1. Mai 2019. 700 Flaschen, entsprechend dem Jubiläum des Weinguts,  soll es von der fruchtsüßen Spätlese aus den alten Reben geben. „ Das Ziel ist, 35.000 Euro für die Schwestern zusammenzubekommen, somit wird eine Flasche 50 Euro kosten“, erklärt der Winzer.

Erlös für Projekt der Schwestern in Nigeria

Schwester Theresia

Schwester Theresia, Bild: Adrian Vesenbeckh

Die Gesamteinnahmen wollen die Schwestern für ein Projekt in Nigeria verwenden. Der Orden ist seit 2002 in dem Land aktiv und hat dort mehrere Konvente gegründet. „Wir haben die Menschen in Garam gefragt, was sie am dringendsten benötigen. Also haben wir dort zunächst eine mobile Klinik eingerichtet, Brunnen gebohrt und dann eine Schule aufgebaut. Die soll jetzt weiter ausgebaut und ausgestattet werden“, erklären Schwester Betty und Schwester Theresia. „50 Euro für eine Flasche Wein ist viel Geld“, sagt Rainer Flick noch und klingt ein bisschen besorgt. „Aber wir sind so begeistert  von der Aktion und hoffen, dass viele andere Menschen ebenso begeistert sein werden.“

Redaktionell verändert veröffentlicht am 06.10.2018 im Darmstädter Echo in der Rubrik „Südhessen genießen – Weinschmecker“.