Masterclass mit Christina Fischer, Copyright: Carsten Costard, Rheinhessenwein e.V.

Maxime Herkunft Rheinhessen: Ortsweinpreview mit Sommelière Christina Fischer

Vor rund zwei Jahren haben 69 Winzerinnen und Winzer aus Rheinhessen einen Verein mit dem etwas sperrigen Namen „Maxime Herkunft Rheinhessen“ gegründet. Initiatoren waren so bekannte Winzer wie Philipp Wittmann, H. O. Spanier, Johannes Thörle oder Kai Schätzel.  Ziel des Vereins ist es, das dreistufige Klassifikationsmodell  des VDP mit Gutsweinen, Ortsweinen und Lagenweinen zu fördern und Rheinhessen als besonders hochwertigen Weinproduktionsstandort im In- und Ausland sichtbar zu machen. So erklärte auch Christina Fischer am vergangenen Samstag bei der Ortsweinpreview der Maximen Herkunft im Kurfürstlichen Schloss Mainz: „Die Weine werden generell außerhalb Rheinhessens noch unterschätzt.“

Dabei seien gerade die Ortsweine als „Vorboten der Lagenweine“ zu sehen. Durch Selektion und Verwendung von vollreifem Lesegut seien die Weine schon früh „trinkfreudig“ und hätten zusätzlich eine Lagerfähigkeit von teils mehr als zehn Jahren, so die Weinkennerin.

Dazu haben sich die VDP-Betriebe (Verein der Prädikatsweingüter) schon 2015 darauf verständigt, für ihre Ortsweine nur Trauben aus Ersten und Großen Lagen zu verwenden, um den Ortswein qualitativ noch weiter anzuheben. Die Entscheidung ist eine logische Konsequenz, da es der Maximen Herkunft darum geht, die Gebietsklassifikation in den Vordergrund zu rücken und damit mehr Profil für die Region Rheinhessen zu gewinnen. Herkunft und Lage sind für diese Weine das Qualitätsmerkmal.

So stellt auch Christina Fischer bei der Vorstellung einzelner Ortsweine der Maxime-Mitglieder zunächst den Einfluss des Bodens – wie Löss, Kalkmergel, Kalkstein, Roter Tonstein oder Rhyolith auf den Wein in den Vordergrund. Ganz nebenbei  bemerkt sie aber, dass es beispielsweise nur 5% Kalksteinböden in Rheinhessen gibt – und regt dazu an, einmal genauer hinzuschauen, wie häufig man das Wort Kalkstein auf Weinetiketten liest.

Bild links: Copyright Carsten Costard, Rheinhessenwein e.V.

Die Maxime Herkunft hat jetzt 90 Mitglieder und ist ein exklusiver Club. Das lässt sich auch an Zahlen festmachen, denn es gibt 136 Weinbaugemeinden in Rheinhessen mit mehr als 2.000 Weinbaubetrieben.  Der Verein will aber noch wachsen. „Zufrieden sind wir noch nicht, denn wir wollen alle Top-Betriebe Rheinhessens ins Boot holen“, erklärt Maxime-Vorstand Johannes Geil-Bierschenk. Die VDP-Mitglieder Rheinhessens werden automatisch Mitglied im neuen Verein, andere Weingüter, die sich ebenfalls freiwillig verpflichten, ihre trockenen und feinherben Weine mit der VDP-Qualitätspyramide statt den Bezeichnungen QBA, Kabinett und Spätlese zu deklarieren, können ebenfalls Mitglied werden.

Doch genau das ist wohl für einige Betriebe problematisch. Laut Geil-Bierschenk sei für Kunden eine „Spätlese“ immer noch mit Restsüße verbunden, so dass eine trockene Spätlese schwer vermittelbar sei. Weingüter, die hauptsächlich von Endkunden leben, die mit der älteren Begrifflichkeit vertraut sind, könnten fürchten, Kunden zu verlieren oder sehen einfach keine Notwendigkeit, von der bisherigen Klassifizierung abzuweichen. So wird es wohl noch eine Weile rheinhessische Top-Betriebe in beiden Systemen geben.

Die 90 Winzerinnen und Winzer der Maximen Herkunft Rheinhessen präsentierten ihre Ortsweine dem Fachpublikum im Mainzer Schloss, Copyright Carsten Costard, Rheinhessenwein e.V.

Text redaktionell verändert veröffentlicht am 04. Mai 2019 im Darmstädter Echo, Rubrik Südhessen genießen – Weinschmecker.