Luftaufnahme vom Elsheimer Tempelchen

Bildquelle: Volker May

Direkt unterhalb des Windhäuser Hofs in Stadecken-Elsheim liegt eine der kleinsten Einzellagen Rheinhessens, das Elsheimer Tempelchen. Umschlossen von einer Steinmauer, prangt inmitten der Weinreben eine weithin sichtbare Pfeilerarkadenhalle, die der Lage wohl ihren Namen gegeben hat. Erbaut wurde „das Tempelchen“ vermutlich in napoleonischer Zeit, als der Windhäuser Hof die Sommerresidenz des Präfekten Baron Jeanbon St. André war. Der Wein vom Elsheimer Tempelchen versorgte die Garnison Mainz, die Geschichte dieses zauberhaften Fleckchens aber geht bis zu einer klösterlichen Gründung ins 12. Jahrhundert zurück.

Drei Weingüter erwecken das Elsheimer Tempelchen zum Leben

Die Winzer vom Elsheimer Tempelchen

Die Winzer vom Elsheimer Tempelchen: Jörg Krug, die Brüder Hamm, Stephan Glöckner (v.l.n.r.), Bildquelle: Karoline Mohr

Im vergangenen Jahrhundert wurde es stiller um das Elsheimer Tempelchen, zuletzt wurde der Wein nur noch als Fasswein verkauft. „Das war eine bedauerliche Entwicklung“, meint Winzer Stephan Glöckner. „Als sich 2014 die Möglichkeit eröffnete, das Tempelchen zu pachten, habe ich mich mit zwei weiteren Elsheimer Weingütern zusammengetan.“ Dass mit dem Projekt viel Arbeit verbunden sein würde, war den Winzern Ralf und Volker Hamm, Jörg Krug vom Weingut 11.000 Mägde Mühle und Stephan Glöckner von vornherein klar. „Wir mussten erst einmal den Rebenbestand sichten und dann richtig ausmisten. Rebsorten wie Dornfelder haben wir komplett gerodet, die 40 Jahre alten Rieslingreben durften natürlich stehenbleiben“, so Glöckner.

Von den rund zehn Hektar Rebfläche sind nun schon sechs Hektar bestockt, teils mit Neupflanzungen von Silvaner, Weiß- und Grauburgunder, Gewürztraminer soll noch folgen. Dabei bestimmt die kleine Lage auch die Auswahl der Rebsorten: „Das Mikroklima wechselt hier. Im unteren Hangabschnitt ist es wärmer und wir haben mehr Muschelkalkboden. Dort stehen Riesling und Weißburgunder, weiter oben haben wir Lössboden“, erzählt Glöckner. Die Weinproduktion erfolgt dabei gemeinsam und doch getrennt: „Für jeden Wein hat jeder von uns Dreien einen Tank, den er eigenständig nach vorher festgelegten Qualitätsstandards ausbaut. Zum Schluss testen wir, ob der Wein unseren Vorstellungen entspricht, dann kommt er als Verschnitt in die Flasche“, erklärt der Winzer. „Unsere Weine haben Reifepotenzial. Gerade die alten Reben sind am Anfang noch verschlossen und entfalten nach und nach ihre Kraft.“

Jahrgangspräsentation bei der „Landpartie“ im Sommer

Luftaufnahme von der "Landpartie" am Elsheimer Tempelchen

„Landpartie“ am Elsheimer Tempelchen: In diesem Jahr schon zum vierten Mal, Bildquelle: Volker May

Dazu passt auch, dass dem Wein generell viel Zeit gegeben wird. Er liegt lange auf der Hefe und wird erst gegen Ende Mai gefüllt. Der Jahrgang 2017 wird dann auch erst im Juli präsentiert und so richtig gefeiert. Die „Landpartie“ findet am 21. und 22. Juli mitten im Weinberg rund um das „Tempelchen“ statt. Es gibt zwei Tage lang Live-Musik,  kulinarische Köstlichkeiten und natürlich den Wein vom Elsheimer Tempelchen. Glöckner: „Das Gesamtprojekt Elsheimer Tempelchen bedeutet einen hohen Verwaltungsaufwand und manchmal verflucht man es auch. Meist aber macht es unglaublich viel Spaß, in dieser besonderen Lage arbeiten zu dürfen – und das feiern wir gern.“

Redaktionell verändert veröffentlicht am 31.03.2018  im Darmstädter Echo in der Rubrik „Südhessen genießen – Weinschmecker“