Eisweinlese bei den Bergsträßer Winzern, Quelle: Bergsträßer Winzer eG

Nach einem besonders langen und heißen Sommer mit Spitzenerträgen setzte das Wetter Anfang der Woche noch das Krönchen auf den Weinjahrgang 2018/19. Denn es war richtig kalt. Pünktlich zum Erscheinen des „Blutmondes“ am Sonntag gingen die Temperaturen nachts so weit in die Minusgrade, dass an der Bergstraße Eiswein gelesen werden konnte. Das Heppenheimer Weingut Freiberger brachte seinen Riesling am Dienstagmorgen ein, die Bergsträßer Winzergenossenschaft konnte schon am Montag Riesling und als Premiere Souvignier gris lesen.

Exklusiv: Eiswein vom Souvignier gris

Souvignier gris wurde 1983 im Weinbauinstitut Freiburg gezüchtet. Reinhard Antes hatte die pilzresistente Rebsorte erstmals vor 1,5 Jahren im Ertrag und schon im vergangenen Jahr einige Trauben hängengelassen. „Da wurde es leider einfach nicht kalt genug für einen Eiswein. Die Trauben hingen aber trotz der Temperaturen noch im Februar zu 90% fest und  gesund am Stock, ein Zeichen, dass sich die Rebsorte sehr gut für Eiswein eignet“, erklärte er. Jetzt wurde also auf rund 1.000 Quadratmetern in der Lage Heppenheimer Stemmler erstmalig Souvignier gris für Eiswein gelesen.

15 bewährte Helferinnen und Helfer inklusive Verwaltungsangestellter waren vor Ort, um die Trauben schnell in gefrorenem Zustand zur Weiterverarbeitung zu bringen. „Und zwar alles in Handlese, wie es in Hessen verpflichtend ist“, sagt Antes. Souvignier Gris-Eiswein ist vermutlich eine Welt-Premiere, denn dem Weinbauinstitut Freiburg ist, laut Antes, noch keine weitere Eisweinlese dieser Rebsorte bekannt. Vom Typus her ist Souvignier gris dem Grauburgunder und dem Chardonnay ähnlich und nicht zu hart in der Säure. Daraus ließen sich aber gar keine Rückschlüsse auf den Charakter des Eisweines  ziehen, so der Vorstandsvorsitzende der Bergsträßer Winzer. „In einigen Wochen machen wir vermutlich die erste Jungweinprobe – und sind gespannt“, so Antes.

Putzmunter zur Eisweinlese nach schlaflosen Nächten

Das Team um Charlotte Freiberger (1.v.l., erste Reihe) bei der Eisweinlese, Quelle: Weingut Freiberger

Charlotte Freiberger hat mit ihrem Riesling zwar keine Novität im Weinberg, findet eine Eisweinlese aber immer spannend, weil es eine Ausnahme ist. „An Schlaf ist in den Nächten vorher nicht zu denken. Wir waren am Montagabend drei Mal im Weinberg, um die Temperatur und die Trauben zu prüfen, das letzte Mal um 1 Uhr, dann wieder um 6 Uhr.  Mindestens -7°C über fünf bis sechs Stunden sind die Mindestbedingungen für eine Eisweinlese. Dann heißt es, die Helfer zu alarmieren und los geht’s.“ In gut einer Stunde waren die Rieslingtrauben auf 1.200 Quadratmetern am Heppenheimer Stemmler aus den Folien gelesen.

Freiberger hatte den Schutz im Oktober nach der Lese angebracht. „Die perforierten Folien sind ein Schutz gegen Vögel, denn die Stare lieben die Trauben – und gegen Regen, denn für Eiswein braucht man gesunde Trauben ohne Fäule. Auch die Edelfäule Botrytis, die bei Trockenbeerenauslesen unabdingbar ist, ist nicht erwünscht. Dazu neigt Riesling zu Stiellähme. Die am Stiel abgebrochenen Trauben werden von der Folie aufgefangen und können für den Eiswein verwendet werden“, so Freiberger. Die Winzerin zeigt sich mehr als zufrieden: „Schon die normale Lese war qualitativ und mengenmäßig außergewöhnlich. Jetzt bekommen wir noch 300 Liter Eiswein, abgefüllt in Flaschen von 0,375 Litern.“


Der Eiswein wird aus den Folien geholt, Quelle: Weingut Freiberger

Veröffentlicht im Darmstädter Echo, 26.01.19, Südhessen genießen – Weinschmecker