Daniel (l) und Reinhard Molitor vom Viermorgenhof in Kinheim-Kindel

Molitor, Molitor, Molitor. An der Mittelmosel gibt es gefühlt in jedem Weinort mindestens zwei Familien Molitor, die Wein machen. Zum Glück hatte ich aber eine Empfehlung und bin – nein, nicht bei Markus Molitor – sondern bei Reinhard und Dr. Daniel Molitor in Kinheim-Kindel gelandet. Es sollte mal kein Riesling sein und tatsächlich bin ich fündig geworden.

Das Weingut Viermorgenhof befindet sich im Umbruch, Reinhard Molitor hat noch die Fäden in der Hand, doch Sohn Daniel und seine Frau Julia Molitor-Justen lenken mit der eigenen Linie Stairs n‘ Roses das Weingut schon in eine neue Richtung. Die Reihe wurde beim Start in 2017 in den Weinmedien positiv aufgenommen, ich habe die trockenen Weine aus der Kollektion getestet und war da nur von dem ersten Wein enttäuscht. Dem „Struwwelpitter“, aus „anti-autoritär erzogenen Reben“ konnte ich nicht viel abgewinnen. Reben einfach wachsen lassen? Mir kam die Cuvée aus Riesling- und Rivaner wenig ausdrucksstark und etwas einfach vor. Vielleicht war sie aber auch nur einen Tacken zu kalt.

Stairs n‘ Roses: Rivaner-Freude und eine sehr spezielle Cuvée

Dr. Daniel Molitor (r) und Julia Molitor-Justen

Der Rivaner „Like a Virgin“ und die Cuvée „Next Generation“ haben mich dafür völlig überzeugt – und da muss ich, was „antiautoritäre Erziehung“ betrifft,  auch gleich wieder zurückrudern, denn die „Next Generation“ durfte im Weinberg ebenfalls machen, was sie wollte. Die Cuvée aus Cabernet Blanc und der Piwi-Sorte Sauvignac hat ein ganz besonderes Aroma, ist kräftig, würzig und weist dazu exotische Fruchtaromen auf. Lecker! Auf dem Etikett ist übrigens der kleine Fußabdruck des Molitor-Sprosses abgebildet. Der Name „Next Generation“ passt also für die Wahl der Rebsorten in der Cuvée und dem Wunsch, dass da jemand kommt, der die Zukunft des Viermorgenhofs einmal in die eigene Hand nimmt. Der Müller-Thurgau ist typisch, kräftig, Trinkfreude pur. Schade, dass eine stilisierte nackte Frau auf dem Etikett zu sehen ist. Jungfrauen sind ja immer nackt, weil rein, weil unberührt…? Hätte der Wein nicht nötig.

Top-Alltagsweine mit sehr gutem PLV

Technisch sauber gemacht und sortentypisch sind der Weißburgunder Classic und die Riesling Spätlese, beide sorgen für perfekten Trinkgenuss für jeden Tag.  Eingepackt habe ich noch ein paar Flaschen Kinheimer Rosenberg „Terrassen“-Riesling Großes Gewächs von 2018. Eine Bombe! Beim ersten Schluck weiß man gar nicht, wie einem geschieht: reife Fruchtaromen, Blütenduft, Tiefe, langer Nachhall, dazu die leicht schmeckbaren 14,7% Alkohol. Der Wein wird dann etwas breiter und macht klar: langsam und bedächtig trinken, am besten gemeinsam mit Freunden.  Auf 777 Flaschen ist der Wein limitiert – und wie Reinhard Molitor sagte: „Wer weiß, ob wir den im kommenden Jahr noch so machen können.“

2018 Riesling Spätlese trocken, 7,00€

2018 Weißburgunder Classic, 5,80€

2018 Riesling GG Rosenberg-Terrassen trocken, 15,00€

2018 Stairs n‘ Roses – Like a Virgin, Rivaner Classic trocken, 7,00€

2018 Stairs n‘ Roses – Next Generation, Cabernet Blanc + Sauvignac trocken, 7,00€

Bei Reinhard Molitor möchte ich mich noch bedanken. Er hat sich viel Zeit genommen, seine Weine zu präsentieren, die Begeisterung für diese sehr sympathisch vermittelt und gerne mitgetestet. Der viel strapazierte Begriff „Winzer aus Leidenschaft“ trifft bei Reinhard Molitor zu 100 Prozent zu. Das Weingut liegt etwas versteckt im Ort, man muss erst durch ein Wohngebiet durch. „Viele Leute kommen nicht her, um Wein zu probieren“, sagt er dann auch. Ich kann nur sagen: Wer an einer tollen, persönlichen Weinprobe mit spannenden Weinen interessiert ist, sollte der Familie Molitor vom Viermorgenhof einen Besuch abstatten. Im Portfolio findet man natürlich auch feinherbe, liebliche und edelsüße Weißweine, dazu gibt’s noch einen Orange-Wein, Prickelndes und Rotweine.