Dr. Carina Jüngling vom Paulinshof

Auf eine Empfehlung hin habe ich das mir bis dahin unbekannte Weingut Paulinshof in Kesten an der Mittelmosel besucht. Sehr gute Rieslinge, ein spannender Weißburgunder, tolles Preis-Leistungsverhältnis und nette Leute, hieß es. Das kann ich nur bestätigen.

Kesten liegt zwischen Lieser  und Minheim. Auf der gegenüberliegenden Moselseite führt die B 53 an Brauneberg und Wintrich vorbei. Am Ortseingang von Kesten ist ein an der Mosel fast unausweichlicher Wohnwagenpark ein Dorn im Auge, den Paulinshof findet man im Zentrum des kleinen Fremdenverkehrsortes in der Paulinstraße. Einen Termin für eine Weinverkostung zu machen, ist immer empfehlenswert, eigentlich obligatorisch. An diesem Tag habe ich einfach mal mein Glück versucht und geklingelt – und Frau Dr. Carina Jüngling war da und hatte Zeit, wirklich Zeit.

Deutsch-französische Zusammenarbeit: Die Karten von Tranchot-Müffling

Nach der Frage, was wir denn gerne probieren möchten, kam Frau Jüngling in Fahrt. Zu den Weinen, die wir verkostet haben, gab es immer ein kleine Geschichte und es war ihr ganz offensichtlich auch wichtig, die Geschichte des Weinguts als Teil des Weinanbaus an der Mosel zu vermitteln. Urkundlich erwähnt wurde der ehemalige Stiftshof schon 937, Napoleon sorgte dafür, dass das Weingut privatisiert wurde.  Napoleon war es dann auch, der Oberst Jean Joseph Tranchot 1802 beauftragte, eine Karte der linksrheinischen Gebiete anzufertigen. Tranchot erstellte eine topographische Karte, die auch die moselanischen Weinlagen beinhaltete. Später setzte Karl von Müffling diese Arbeit fort. 1828 war das Kartenwerk – die Tranchot-Müffling-Karten – vollendet. Die Lagen, die im Paulinshof bewirtschaftet werden, gehörten teils schon in der Preußischen Lagenklassifikation der höchsten Kategorie an, Top-Lagen sind etwa Brauneberger Juffer Sonnenuhr, Brauneberger Juffer, Trittenheimer Apotheke  oder  Kestener Paulinshofberg. Die Brauneberger Kammer ist eine Monopollage im Alleinbesitz der Jünglings.

Und was gab es außer Geschichte noch? Gesteinsproben auf dem Tisch. Denn Schiefer ist nicht gleich Schiefer. Grau, Blau, Rot schimmert das Gestein, in das sich Rieslingreben vom Paulinshof eingraben. Charaktervoll, mineralisch sind die Weine vom Paulinshof und auch bei den Basisweinen schmeckt man die moselanische Herkunft deutlich. Die zahlreichen Auszeichnungen erstrecken sich über das gesamte Portfolio der Winzerfamilie und bestätigen die Arbeit von Oliver Jüngling. Doch bei manchen Ehrungen muss man sich schon wundern. Dem trockenen Riesling „Klang der Tiefe“ geben die Jünglings selbst die Beschreibung „markante Textur“ – und genau so stellt sich der Wein auch dar. Dass er dann ausgerechnet vom Genuss-Magazin als Trophy-Sieger wein.pur in der Kategorie „Picknickweine“ (eine dringend benötigte Kategorie, was hat man nur zuvor ohne sie gemacht?) ausgezeichnet wurde – nun denn.

Meinen Geschmack getroffen und deshalb auch eingepackt wurden die Rieslinge von 2017:

  • Klang der Tiefe, Spätlese trocken
  • Vom roten Schiefer, trocken
  • Kestener Paulinshofberger, feinherb
  • Trittenheimer Apotheke, Spätlese feinherb

Ebenfalls großartig zeigte sich der Brauneberger Juffer Riesling, Spätlese trocken von 2016. Voluminös, mit langem Abgang, würzig mit feiner Säure, perfekt ausbalanciert – pures Trinkvergnügen. Kein Wunder, dass der Wein in diesem Jahr zu den offiziellen Berlinale-Weinen gehörte. Was mich jetzt noch ein bisschen ärgert: Den Weißburgunder haben wir nicht mitgenommen. Der frisch abgefüllte Wein ist sehr schlank, aber auch noch sehr kantig und braucht sicher noch mindestens ein Jahr bis zum vollen Trinkgenuss. Wer noch Lagerkapazitäten frei hat, sollte sich ein paar Fläschchen mitnehmen.

Vinothek Bukett im Weinbahnhof

Übrigens: Die Vinothek des Paulinshofs liegt zwei Moselschleifchen weiter bei Trittenheim im alten Bahnhof. Neben dem alten Gebäude schließt sich ein direkt in den Berg gebauter moderner Raum mit viel Glas an. Bukett heißt der schicke Veranstaltungsort der Jünglings mit Blick auf Mosel und Trittenheim.